NICHTS RIECHT SO GUT WIE WEIHNACHTEN IN MÜNCHEN.

Originale Publikation: BMW Classic

Laura Kukuk ist erst 25 Jahre alt, doch die Fahrzeugtechnik-Ingenieurin kennt sich mit hochwertigen Oldtimern besser aus als so mancher ältere männliche Kollege. Schon mit 13 zerlegte sie ein Leichtmofa, mit 18 wagte sie sich an einen Baby-Benz – einen Mercedes 190 D. Lauras Leidenschaft für edles altes Blech kommt nicht von ungefähr: Sie ist damit aufgewachsen. An der Seite ihres Vaters Klaus Kukuk, Oldtimer-Sachverständiger und ebenso ein Petrolhead, ist sie Stammgast am Nürburgring. Ihre Expertise in der Fahrzeugtechnik gewann sie unter anderem beim Sportwagenhersteller McLaren im britischen Woking, später arbeitete sie bei HK-Engineering, dem Mercedes-300-SL-Spezialisten in Oberbayern. Zusammen mit ihrem Vater reist sie viel, um wertvolle Fahrzeuge zu begutachten, und lernt dabei immer wieder Neues.

Ebenso leidenschaftlich, wie sie sich ihren Oldtimern widmet, schreibt Laura Kukuk für ihren Blog. Und das tut sie heute mal nur für uns.

Nichts riecht so gut wie Weihnachten in München: Die Weihnachtsbäume, der Glühwein, die Nürnberger Bratwürste und gebrannten Mandeln. Seit ich zurück in meine Heimatstadt Köln gezogen bin, vermisse ich München von Zeit zu Zeit – ganz besonders zu dieser Jahreszeit, in der man zusammenkommt und die Stadt noch ein klein wenig gemütlicher wird. Dabei werden Erinnerungen an einen Dezembertag im letzten Jahr wach, an dem wir in einem Mini auf die Jagd nach einem Weihnachtsbaum gingen – mit der Mission Weihnachtsfreude und Liebe zu verbreiten.

Gesucht: der perfekte Weihnachtsbaum.

Ich fand die Idee schon immer reizvoll, durch den verschneiten Wald zu wandern und nach dem perfekten Weihnachtsbaum für zu Hause zu suchen. Diese romantische Vorstellung habe ich wohl den Weihnachtsfilmen meiner Kindheit zu verdanken. Obwohl wir in meinem Elternhaus immer einen echten Baum hatten, stammte dieser meist von einem Händler, bei dem die Suche nach dem „perfekten“ Weihnachtsbaum schon fast zu einfach war.

Doch diesmal würde es anders werden. Wir wollten nicht einfach nur irgendeinen Weihnachtsbaum auf dem nächstgelegenen Markt kaufen und unter hunderten perfekt verpackten Bäumen auswählen. Nein, ich wollte es diesmal richtig machen. Aber was genau bedeutet das? Nun ja, der Baum sollte wirklich selbst gefunden werden. Mit diesem Ziel im Hinterkopf wollte ich das Ganze noch etwas interessanter gestalten, um mein Erlebnis mit möglichst vielen Menschen zu teilen.

Für mich als Autobegeisterte bedeutet das natürlich, dass ich nach dem perfekten Auto für meine Mission zu suchen begann. Als stolze Besitzerin eines classic Mini (1992) hatte ich schon immer den Wunsch, ein Bild zu kreieren, das den Mini tatsächlich mini wirken lässt. Der classic Mini in Feuerrot mit zwei weißen Rennstreifen aus dem Jahr 2000 (einer der letzten Classic Minis) schien als Transportfahrzeug geradezu perfekt.

Reingesprungen und los geht’s! Nach einem kurzen Boxenstopp im Baumarkt, um einige der letzten Besorgungen für die Jagd auf den Weihnachtsbaum und den Transport zusammenzutragen, waren wir auch schon auf dem Weg Richtung Markt Indersdorf.

Unserer Mission hatte sich bereits verbreitet, und so wurden wir herzlich empfangen. Unser Ziel bestand darin, den größtmöglichen Baum zu schlagen, den wir irgendwie auf dem klitzekleinen Mini befestigen können. Mit einer Bügelsäge im Kofferraum ging es los in den Tannenwald und einen winzigen Feldweg hinauf.

Vor einem Zaun kamen wir zum Stehen. Es gab keinen Weg vorwärts mit dem Mini, ohne sofort steckenzubleiben. Doch keine Sorge: Wir nahmen unsere Werkzeuge und begannen mit der Suche nach dem schönsten, größtmöglichen Weihnachtsbaum – von mehr als zwei Metern.

Schnell war der perfekte Baum ausfindig gemacht. Stolz und wohl zentriert stand er. Wir begannen zu sägen, tauschten alle paar Minuten die Plätze und gelangten langsam ans Ziel. Dann kam der Moment der Wahrheit und der Baum fiel zu Boden. Viel schwerer, größer und höher als zunächst erwartet, erkannten wir schnell, dass die harte Arbeit noch lange nicht vorbei war. Während unserer Suche waren wir einen kleinen Hügel hinabgestiegen. Diesen mussten wir nun selbstverständlich auch wieder hinauf.

Verschwitzt, lachend und mit einem etwas absurden Gefühl kamen wir schließlich wieder am Mini an, der dort ganz verlassen im Wald stand. Als wir den Baum so neben dem kleinen Mini liegen sahen, fingen wir an, an unserer Entscheidung zu zweifeln und waren uns auf einmal nicht mehr so sicher, ob der Baum tatsächlich auf den Mini passen würde. Doch Aufgeben war keine Option – wir wollten es zumindest versuchen.

Ich glaube, es brauchte etwa drei Anläufe bis wir den Baum auf das Dach den winzigen Minis gewuchtet hatten – geschafft! Mit einigen wenigen Gurten befestigten wir den Baum sicher für den Weg zurück zum Markt.

Wir packten unsere Sachen zusammen und sprangen zurück ins Auto. Langsam und vorsichtig fuhren wir dieselben Feldwege zurück, die wir zuvorgekommen waren. Der Mini sah absolut verrückt unter dem viel größeren Baum aus und wir beide grinsten wie kleine Kinder. Der Anblick war noch viel besser, als wir es uns hätten erträumen können.

Jedes Auto, das an uns vorbeikam, jeder Fußgänger oder Fahrradfahrer, alle drehten sich zweimal um und mussten ebenfalls grinsen. Wir wurden geradezu überflutet mit wohlgesonnenem Lächeln, Lachen, strahlender Freude und Liebe. Der Mini leistete saubere Arbeit und verbreitete noch viel besser als erwartet ein wunderbares Weihnachtsgefühl.

Menschen kamen auf uns zu und dankten uns für diese wundervolle Idee und dafür, ihnen in dieser verrückten, stressigen Vorweihnachtszeit etwas Freude zu bringen.

Zurück in München, stoppten wir an möglichst vielen Orten, allen voran das Siegestor. Den Mini parkten wir neben der Kunstinstallation mit dem Wort „Love“ – genau die Botschaft, die wir rüberbringen wollten. Was für ein atemberaubendes Bild! Vorbeifahrende Autofahrer waren vollkommen perplex, hielten an und machten Fotos. Wir hatten eine Mission der Freude begonnen und bekamen so viel Liebe und Glück von allen um uns herum zurück.

Wenn ich an diese Geschichte denke, möchte ich fast in mein Auto springen und sofort nach München zurückfahren. Na, hat jemand Lust das noch einmal zu machen?

Als wir die bekannte Leopoldstraße hinunterfuhren, machten wir einen Abstecher nach rechts auf den Wittelsbacherplatz. Hier findet jedes Jahr ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt statt. Der perfekte Ort, um einen Glühwein zu genießen – alkoholfrei versteht sich, ich musste ja noch fahren – während wir beobachteten, wie die Beistehenden den schwer beladenen roten Mini bewunderten.

Die Menschen blieben stehen, machten Fotos und Selfies, bestaunten den kleinen Mini und fragten sich, wer ihn hier warum geparkt hat und wessen tolle Idee das wohl war. Wir verloren uns in Gesprächen. Die Menschen erzählten uns ihre eigenen Geschichten, die mit Weihnachtserinnerungen und glücklichen Erlebnissen zu tun haben. Jede dieser Geschichten hätte es verdient, aufgeschrieben und weitererzählt zu werden. Eins ist jedoch ganz klar: Unsere Mission war ein voller Erfolg!

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